Reportage über Werner Rüeger

In der Beilage ‚Gesundheit‘ der beiden Zeitungen Höfner-Volksblatt und March-Anzeiger erschien am Mittwoch, 29.04.2026 eine Reportage über unseren Vereinspräsidenten Werni.

Reportage

Unterwegs mit Herz und Rampe

Werner Rüeger fährt für rollmobil March-Höfe Menschen mit eingeschränkter Mobilität durch die Region – zur Dialyse, zum Coiffeur, zu Familienfesten. Eine Begegnung mit einem Mann, der als Freiwilliger weit mehr transportiert als Fahrgäste: nämlich Lebensfreude.

Von Lisa Heyl

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens, als Werner Rüegers Telefon summt. Die Einsatzzentrale hat den Fahrplan für den Tag übermittelt – fünf, vielleicht sechs Fahrten quer durch den Bezirk March und die Höfe. Ein Schulkind im Rollstuhl muss zur Schule. Eine ältere Dame wartet auf den Transport zur Physiotherapie. Später geht es ins Spital Lachen, wo Dialyse-Patientinnen und -Patienten dreimal pro Woche auf den Rollstuhlbus angewiesen sind. Für Werner Rüeger ist das längst kein Job mehr – es ist eine Herzensangelegenheit.

«Ich bin froh, unseren Fahrgästen zu ermöglichen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben», sagt der Feusisberger, der als Präsident des Vereins rollmobil March-Höfe gleichzeitig hinter dem Steuer sitzt und die Organisation mitprägt. Dass er einmal in dieser Rolle landen würde, war nicht geplant. Doch das Leben schreibt bekanntlich seine eigenen Geschichten.

Vom Nez-Rouge-Präsidenten zum Rollstuhlbus-Fahrer

Werner Rüeger kennt das Ehrenamt. Zehn Jahre lang präsidierte er die Sektion Seedamm-Linth von Nez Rouge, jener Organisation, die in den Festnächten Menschen sicher nach Hause bringt. Als er das Amt abgab, war er eigentlich bereit für eine ruhigere Phase. Doch dann verstarb der Präsident des damaligen Vereins Behinderten-Taxi March-Höfe überraschend. Vizepräsidentin Karin Cià fragte Rüeger an, ob er sich die Nachfolge vorstellen könne. «Nach einer Mitfahrt mit dem Fahrzeugchef war für mich klar: Das mache ich», erinnert er sich. «Als Rentner wollte ich erneut eine sinnstiftende Aufgabe übernehmen.»

365 Tage im Einsatz – für alle, die es brauchen

Das Spektrum der Fahrgäste ist so vielfältig wie das Leben selbst. Vom Schulkind im Rollstuhl über junge Menschen, die nach einem Unfall auf Unterstützung angewiesen sind, bis hin zu Bewohnerinnen und Bewohnern von Alterszentren in der Region. Die Zielorte? Ebenso bunt: Reha-Aufenthalte, Ferienreisen, der Besuch beim Coiffeur oder im Nagelstudio, Sportveranstaltungen und Familienfeiern. «Wir leisten an 365 Tagen im Jahr Einsätze», erklärt Rüeger. «Denn Mobilität kennt keinen Feiertag.»

Die Transporte werden von der Einsatzzentrale umsichtig geplant und den freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern elektronisch übermittelt. Im Schnitt sind es fünf bis sechs Fahrten pro Tag. «Unsere Mitarbeitenden in der Zentrale disponieren äusserst sorgfältig», lobt Rüeger. Zeitdruck gebe es deshalb kaum. Was hingegen nicht immer planbar sei: enge Strassen, bauliche Hindernisse an den Zielorten oder unübersichtliche Verkehrssituationen.

Wenn ein bekanntes Gesicht Tröster ist

Wer regelmässig fährt, begegnet denselben Menschen immer wieder. Besonders die Dialyse-Patientinnen und -Patienten, die dreimal pro Woche ins Spital Lachen gebracht werden, werden zu vertrauten Gesichtern. «Die Beziehungen sind allerdings häufig kurzfristig», sagt Rüeger leise. «Dialyse-Patienten können aus gesundheitlichen Gründen oft nicht langfristig mit uns unterwegs sein.» Es ist einer jener Momente im Gespräch, in denen spürbar wird, dass dieser Fahrdienst weit über Logistik hinausgeht.

Umso mehr berühren die kleinen Lichtblicke. Rüeger erzählt von einer Dame, die er bereits als SRK-Fahrer transportiert hatte und die inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen ist. «Sie hat sich riesig gefreut, dass ein bekanntes Gesicht sie zur Physiotherapie fuhr. Solche Momente geben einem unglaublich viel zurück.»

Doch es gibt auch die schwierigen Augenblicke. Wenn ein Fahrgast nach einer Behandlung im Spital so erschöpft ist, dass er nur noch nach Hause möchte. Oder wenn jemand nach einer Behandlung nur noch im Spitalhemd transportiert werden kann, weil die eigene Kleidung durchnässt war. «Das sind Situationen, die einen nicht kaltlassen», sagt Rüeger. «Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass wir da sind.»

Freiwillige gesucht – damit Mobilität möglich bleibt

rollmobil March-Höfe lebt vom Engagement seiner Freiwilligen. Doch wie überall im sozialen Bereich ist der Bedarf grösser als das Angebot. «Da unsere Tarife nicht kostendeckend sind und wir die Fahrten trotzdem günstig anbieten wollen, sind wir auf Spenderinnen und Spender, Gönner und Sponsoren angewiesen», erklärt Rüeger. Und: «Wir suchen permanent freiwillige Fahrerinnen und Fahrer, damit wir den Fahrdienst aufrechterhalten können.»

Sein Appell an die Bevölkerung in der Region ist ebenso herzlich wie direkt: «Scheuen Sie sich nicht, rollmobil March-Höfe zu benutzen! Unser Angebot richtet sich an alle Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränkter Mobilität. Und unsere freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer freuen sich, Ihnen etwas zurückgeben zu können.»

Mehr als ein Fahrdienst

Wenn Werner Rüeger am Ende eines Fahrtages den Motor abstellt und das Fahrzeug parkt, nimmt er stets etwas mit nach Hause: Dankbarkeit, manchmal auch Nachdenklichkeit, aber vor allem das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Denn rollmobil March-Höfe transportiert nicht einfach Menschen von A nach B. Der Verein schenkt Mobilität – und damit ein Stück Freiheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität. In einer Region, in der man sich kennt und füreinander einsteht, ist das mehr wert als jeder Fahrplan.